Irish Tinker

Die Entstehung der Rasse liegt im Dunkeln, ebenso wie die Herkunft ihrer Züchter, der Travellers, des fahrenden Volkes Irlands, und stützt sich auf Vermutungen und Legenden. Im anglikanischen Sprachraum allgemein als Gypsies = Zigeuner bezeichnet, haben nur einige Gruppen in England abstammungsmäßig Beziehung zu den Roma und Sinti, die irischen Travellers sind irischer Herkunft. Allen gemeinsam aber ist die nomadisierende Lebensweise, die sie erst in allerjüngster Zeit und nur teilweise aufgegeben haben.

Schon seit dem Mittelalter zogen Fahrende als Schmiede, Kesselflicker (= Tinker oder Tinkler), Artisten und Händler armseligen mit zwei- oder vierrädrigen Karren, den pot carts, gezogen von Ziegen oder Eseln, auf den Landstrassen der britischen Inseln. Erst ab Ende des 19. Jahrhunderts waren die irischen Travellers mit pferdebespannten Wohnwagen unterwegs. Diese ersten Living-Waggons hatten die von englischen Sinti-Familien erworben, und bald wurden die bunten, tonnenförmigen Wagen zu einer regelrechten Mode unter den Fahrenden Leuten. Das Pferd für diesen Gypsy-Caravan konnten sie billig erstehen, denn es war meist alt, krank oder verdorben. So wurden die Travellers bald zu echten Pferdspezialisten, denn die fanden Kräuter und Mittel zur Heilung von Krankheiten, und sie erlernten den geduldigen Umgang mit schwierigen Pferde. Das Geheimnis des Umgangs mit verdorbenen Pferden wurde in ausgewählten Familien „mündlich“ weitergegeben und war, so behaupten die Travellers, an die Fähigkeit des Kesselflickens gebunden. Nicht selten wurden die, welche die Macht „des Wortes“ besaßen, um Rat gebeten und für ihre Dienste großzügig belohnt. Das „Pferde-Flüstern“ hatte also seinen Ursprung in Europa. Die ersten Traveller-Pferde waren Arbeitspferd mit Einschlägen des Irish Draughts und des Clydesdales. Oft wurden auch Tiere mit uneinheitlicher Fellfarbe von ihren Züchtern ausgemustert und konnten von den Travellers billig erworben worden. Anfang des  20. Jahrhunderts begannen die Fahrenden vorerst mit der Zucht von Tigerschecken, gaben diese aber bald wieder auf. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Zucht von Plattschecken modern und die Travellers konnten durch den Zusammenbruch vieler Gestüte bunte Pferde in großer Zahl billig erwerben. So begann sich der Schecke gegenüber dem einfarbigen Wagenpferd durchzusetzen und wurde zu einem Symbol für eine eigenständige Traveller – Kultur.

Erst in den 60iger Jahren des 20 Jahrhunderts tauschten die Fahrenden Leute ihre Pferdegespanne gegen das Auto und wurden teilweise sesshaft. Durch eine Gebrauchsselektion war ein kräftiges, ruhiges Familienpferd entstanden, das einen Wagen samt Inventar über weite Tagesstrecken ziehen konnte, jedoch nicht zu mächtig, um tellergroße Hufeisen und allzu viel Futter zu benötigen. Der großrahmige Vanner-Typ  mit einem Stockmaß bis 160 cm und deutlichem Kaltblut-Einschlag von Shire und Clydsdale wird heute nur mehr aus Liebhaberei und Geschäftssinn gezüchtet. Die von den Traveller-Familien bevorzugtem Cob-Typen waren kleinere, zwischen 140 cm und 150 cm Stockmaß, und garantierten hohen Leistungsfähigkeit bei niedrigen Ansprüchen. In der Zucht verwendete man dazu die ausdauernden und fleißigen Dales-Ponies, auch Fell-Ponies, Welsh Cobs und manchmal wurden die Traverller–Stuten auch nächtlicherweise dem gescheckten besonders nervenstarken Drumhorse Hengsten der königlichen Garde zugeführt. In der Zucht verwendete man dazu die ausdauernden und fleißigen Dales-Ponies, auch Fell-Ponies, Welsh Cobs und manchmal wurden die Traverller–Stuten auch nächtlicherweise dem gescheckten besonders nervenstarken Drumhorse Hengsten der königlichen Garde zugeführt. Obwohl die Travellers als Analphabeten die Abstammung ihrer Pferde nur mündlich weitergaben, entwickelten sich im Laufe der Zeit regelrechte Blutlinien, die Abstammung einzelner Pferd lässt sich angeblich über viele Generationen bis auf einige Hengste zurückverfolgen (z.B. den Hengst „Sambesi“ oder „Old Henry´s Horse“ , den Black and White Hengst „Lop Ear“, den Hengst von Chris Finnegan oder dem Hengst „Sunny Maize“) Die Optik ihres Pferdes war für die Fahrenden zunächst zweitrangig. Viel wichtiger für die Auswahl ihrer Zuchttiere waren Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Anpassungsfähigkeit. Außer dem Arabischen Pferd gibt es wohl keine Rasse, deren Wesen eine vergleichbare Prägung durch die Nähe zum Menschen erfahren hat. Unerschütterlicher Sanftmut und unbedingte Zuverlässigkeit also sind die herausragenden Wesensmerkmale des ursprünglichen Traveller-Pferdes. In der heutigen Zeit, wo auch die Travellers die direkte Nähe zu ihren Pferden verloren haben und ihre Tiere auf angemieteten Weiden halten und züchten, immer noch als Statussymbol, aber heute vorwiegend zu Verkaufszwecken, ist es es umso wichtiger, dass verantwortungsvolle Züchter und Zuchtverbände auf die Erhaltung dieser wesentlichen Charaktereigenschaften – in Verbindung mit einem außergewöhnlichen Exterieur – achten, um das Irische Traveller Pferd, den Irish Tinker, in seiner Einzigartigkeit zu erhalten.



Irish Tinker
Grösse: ca. 135 - 158 cm
Gewicht: ca. 450 - 700 Kg
Farbe : Meist Schecken, alle Farben
Verwendung : Dressur, Zirzensische Lektionen, Fahren, Freizeitpferd auch Springen können sie